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Lernstrategie

Karteikarten in der Pflegeausbildung: so lernst du wirklich

Du kennst das Bild: dreißig Seiten Kopien zum Herz-Kreislauf-System, ein Textmarker, der langsam eintrocknet, und nach zwei Stunden das Gefühl, alles gelesen und nichts behalten zu haben. Am nächsten Tag in der Praxis fragt dich die Praxisanleitung nach dem Unterschied zwischen systolischem und diastolischem Wert — und im Kopf ist erst mal Stille.

Das liegt nicht an dir. Lesen fühlt sich nach Lernen an, ist aber vor allem Wiedererkennen. Dein Gehirn nickt beim Textmarker-Satz freundlich mit und sagt: kenn ich. Abrufen musste es dabei nichts. Genau das ändern Karteikarten — wenn du sie richtig schreibst.

Und „richtig" heißt nicht „viele". Die meisten Auszubildenden scheitern nicht daran, dass sie zu wenige Karten haben, sondern daran, dass ihre Karten zu voll sind. Hier steht, wie du das vermeidest.

Eine Karte, eine Frage

Die wichtigste Regel ist auch die unbeliebteste: Auf eine Karte gehört genau eine abrufbare Information. Keine Aufzählung mit sieben Punkten, keine halbe Seite Definition. Denn beim Wiederholen kannst du nur zwei Dinge sagen — gewusst oder nicht gewusst. Bei sechs Punkten auf einer Karte weißt du am Ende vier davon und drückst trotzdem „falsch", also wiederholst du die vier, die längst sitzen, wieder und wieder.

Schlecht: „Nenne die fünf Vitalzeichen und ihre Normwerte." Besser: fünf Karten, jede mit einem Vitalzeichen und seinem Normbereich. Das fühlt sich nach mehr Arbeit an und ist in der Summe deutlich weniger.

Wenn du beim Umdrehen der Karte „na ja, halb" denkst, war die Karte zu groß — nicht dein Kopf zu klein.

Frag nach dem Warum, nicht nur nach dem Wort

Reine Vokabelkarten („Tachykardie = Herzfrequenz über 100/min") bringen dich durch die Abfrage, aber nicht durch eine Fallsituation. In der Prüfung — und erst recht am Bett — brauchst du den Zusammenhang. Baue deshalb zu jedem Faktum eine zweite Karte, die nach der Bedeutung fragt.

Beispiel: Karte eins fragt nach dem Normbereich der Atemfrequenz bei Erwachsenen. Karte zwei fragt: „Warum ist eine erhöhte Atemfrequenz ein früher Hinweis auf eine Verschlechterung?" Die erste Karte gibt dir Sicherheit, die zweite Verständnis. Für die mündliche Prüfung ist die zweite die wertvollere.

Tipp: Formuliere die Vorderseite immer als echte Frage mit Fragezeichen. Ein Stichwort wie „Blutdruck" lässt dir zu viel Spielraum — du weißt nachher nie genau, was du eigentlich abfragen wolltest.

So baust du einen Satz Karten in 20 Minuten

Du musst nicht ein ganzes Kapitel auf einmal verkarten. Nimm dir eine Unterrichtsstunde oder ein Thema vor und arbeite es in einem festen Ablauf ab:

  1. ÜberfliegenLies das Thema einmal ganz durch, ohne etwas zu schreiben. Du willst zuerst die Struktur sehen, nicht Details sammeln.
  2. Prüfungsfragen markierenMarkiere nur, was in einer Prüfung oder Übergabe wirklich gefragt werden könnte. Alles andere bleibt Hintergrund und kommt nicht auf eine Karte.
  3. ZerlegenMach aus jeder Markierung eine Frage, die in einem Satz zu beantworten ist. Passt die Antwort nicht in einen Satz, teile sie in zwei Karten.
  4. Warum-Karten ergänzenFüge zu den zwei oder drei wichtigsten Fakten je eine Verständnisfrage hinzu.
  5. Sofort einmal durchgehenGeh den frischen Satz direkt einmal durch. Karten, die du beim ersten Mal nicht formulieren kannst, sind meist schlecht geschrieben, nicht schwer.

Wiederholen: kurz, aber mit Abstand

Karteikarten wirken durch Wiederholung in wachsenden Abständen. Der Gedanke dahinter: Du wiederholst kurz bevor du etwas vergessen würdest — nicht früher, weil das Zeit verschwendet, und nicht später, weil du dann von vorn anfängst. Klassisch geht das mit fünf Fächern in einer Box (Leitner-System): Was du wusstest, wandert ein Fach nach hinten und kommt seltener; was du nicht wusstest, geht zurück ins erste Fach.

Ein Schema, mit dem viele gut fahren: neue Karte am nächsten Tag, dann nach drei Tagen, dann nach einer Woche, dann nach zwei bis drei Wochen. Entscheidend ist nicht die exakte Zahl, sondern dass der Abstand nach jedem Erfolg größer wird.

SituationWas du tust
Karte sofort gewusstAbstand verdoppeln, nicht heute nochmal ansehen
Mit Zögern gewusstAbstand gleich lassen
Nicht gewusstZurück auf morgen — und prüfen, ob die Karte zu voll ist
Dreimal hintereinander nicht gewusstKarte neu schreiben, nicht öfter wiederholen

Die letzte Zeile ist die wichtigste. Eine Karte, die dich dreimal geärgert hat, ist fast immer eine Formulierungsfrage. Zerleg sie, füge eine Eselsbrücke hinzu oder schreib die Antwort in deinen eigenen Worten neu.

Merkhilfen gehören auf die Rückseite

Eselsbrücken sind kein Kinderkram, sie sind Handwerk. Wenn du dir eine Reihenfolge oder eine Gruppe merken musst, schreib die Merkhilfe direkt mit auf die Rückseite — sonst erfindest du sie bei jeder Wiederholung neu.

FÜNF MOMENTE, EIN GEDANKE: VOR MIR, NACH MIR

Bei der Händedesinfektion hilft es, die fünf Momente in zwei Gruppen zu denken: alles, was vor dem Kontakt schützt (vor Patientenkontakt, vor aseptischer Tätigkeit) und alles, was nach dem Kontakt schützt (nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material, nach Patientenkontakt, nach Kontakt mit der Patientenumgebung). Zwei Gruppen merkt man sich leichter als fünf Einzelpunkte.

Die vier Fehler, die am meisten Zeit kosten

Fast alle Karteikasten-Frustrationen lassen sich auf eine dieser vier Sachen zurückführen:

  • Zu voll. Mehr als ein Fakt pro Karte macht die Bewertung unmöglich.
  • Abgeschrieben. Wortwörtlich vom Skript kopierte Sätze erkennst du wieder, ohne sie zu verstehen. Formuliere selbst.
  • Nie aussortiert. Karten zu Themen, die längst durch sind, blähen jede Runde auf. Sortiere sie aus, statt sie ewig mitzuschleppen.
  • Nur in der Lernphase. Zehn Minuten in der Bahn schlagen drei Stunden am Wochenende. Kurz und regelmäßig ist der ganze Trick.

Karteikasten, der mitdenkt

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Häufige Fragen

Wie viele Karten sollte ich am Tag wiederholen?

Lieber jeden Tag zwanzig als einmal pro Woche zweihundert. Setz dir eine Zeit statt einer Zahl — zum Beispiel zehn Minuten morgens — und höre auf, wenn die Zeit um ist. Was übrig bleibt, kommt morgen.

Papier oder App?

Beides funktioniert. Papier ist unschlagbar beim Schreiben, weil du beim Formulieren schon lernst. Eine App übernimmt dafür das Rechnen der Abstände und das Aussortieren. Viele schreiben deshalb auf Papier und übertragen die Karten, die sie wirklich langfristig brauchen.

Lohnt sich das noch, wenn das Examen in vier Wochen ist?

Ja, aber mit anderem Zuschnitt: Karten dann nur noch für Dinge schreiben, die du sicher nicht auswendig kannst und die abgefragt werden — Normwerte, Reihenfolgen, Wirkstoffgruppen. Für den großen Überblick ist in vier Wochen ein Lernplan wichtiger als ein neuer Karteikasten.

Muss ich meine Karten mit Bildern versehen?

Bei Anatomie hilft es sehr, ansonsten selten. Ein Bild lohnt sich, wenn die Lage im Raum die Antwort ist — etwa bei Herzklappen oder Knochen. Bei Definitionen und Werten kostet es nur Zeit.

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